Mach mit!

Es wird Winter. Die lauschigen Innenhöfe der Altstadtinstitute, die Wiesen im Neuenheimer Feld und die Bänke vor der ehemaligen Krehl-Klinik laden nicht mehr zum Zusammensitzen ein.

Doch wohin gehen? Während der Sommer noch davon ablenkte, dass es keine Räume gibt für Diskussionen und Arbeit, wird dies nun offensichtlich: Es fehlen Freiräume.

Ein neues Semester hat begonnen. Die Seminare, von denen man sich viel versprochen hat, die Vorlesungen, auf die man sich gefreut hat und die Tutorien, die man selbst mit Studiengebühren finanziert, entpuppen sich mehrheitlich als genauso mittelmäßig wie uneingestanden befürchtet. Gerade die guten Veranstaltungen ­ ja, es gibt sie ­ rufen uns wieder schmerzhaft in Erinnerung, dass es anders sein könnte.

Es wird früher dunkler, es regnet. Der Weg vom Wohnheim in St. Ilgen nach Heidelberg war auch mal schöner. Die Bremsen am Rad sind sowieso schon nicht mehr so gut, doch der Stundenplan lässt keinen Besuch bei URrmEl, der studentischen Fahrradwerkstatt, zu. Und kalt ist es auch. Dann eben Bus fahren. Kostet ja nur – ­ wie bitte? – ­ inzwischen 127 Euro, plus 20 Euro Sockelbeitrag. Anwesenheitslisten, abgelegene Wohnheime, verschulte Lehrpläne, eine Prüfung nach der anderen, teure Semestertickets, Wartelisten für Pflichtkurse. Hat sich denn gar nichts geändert? War es nur ein Spuk: Tausende Menschen auf den Straßen, gelbe T-Shirts überall? Ist das alles vorbei?

Nein! Es geht weiter! Am 16.10. verkündete die KMK (Kultusministerkonferenz), dass es Reformbedarf gibt und veröffentlichte beispielsweise die Empfehlung, den Bachelor auf acht Semester zu verlängern. Bundesbildungsministerin Schavan bemüht sich um Schadensbegrenzung und rudert in vielen Positionen zurück. Auch an der Uni Heidelberg, an der man sich noch vor wenigen Semestern damit brüstete, die BA/MA-Umstellung im Griff zu haben, kritisieren nun Dekane öffentlich, dass bei der Umstellung sehr vieles schlechter geworden ist. Auch das Rektorat selbst benennt die Probleme und bewegt sich: in einer Arbeitsgruppe, die für alle Interessierten offen ist, wird über fehlende Mitbestimmung, über Freiräume für Studierende und über Verfasste Studierendenschaft diskutiert.

Doch das reicht alles bei Weitem noch nicht aus ­ den Worten müssen Taten folgen! Um den Prozess an der Universität allgemein, in den Instituten und in den Fakultäten in Gang zu bringen beziehungsweise weiterzuführen, müssen wir uns engagieren. Mit den Erfolgen des Sommers im Rücken wollen wir im Winter wieder Schwung in die verkrusteten Unistrukturen bringen. Im Sommer haben wir ein starkes Bewusstsein für die Probleme an den Bildungseinrichtungen bei den Studierenden und in der Bevölkerung geschaffen. Aus diesen Erfahrungen, den neuen Vernetzungsstrukturen, Fortschritten in Verhandlungen und der großen Motivation, grundlegende Probleme, die uns selbst betreffen, zu lösen, ergibt sich ein enormes Potenzial für das laufende Semester. Es sind wieder vielfältige Aktionen geplant, bei deren Umsetzung wir jedoch Hilfe benötigen.

Mit deinem Engagement kannst du einen Teil dazu beitragen, sinnvolle Veränderungen im Bildungssystem voranzutreiben. Davon abgesehen hast du die Möglichkeit, viele nette Menschen zu treffen und viel für dich selbst zu lernen. Interessieren dich die Themenschwerpunkten ,,Freiräume für Studierende”, ,,Institutsräte”, ,,Semesterticket”, ,,Verfasste Studierendenschaften”, ,,Demokratische Hochschule” oder die vielen anderen Bereiche, in denen wir arbeiten, dann mach mit! Willst du mehr im Studium kennenlernen als starre Lehrpläne? Dann beteilige dich und gestalte mit uns die Zukunft!

Egal, in welchem Umfang Du Dich einbringen kannst – selbst wenn Du gar nicht in Heidelberg bist: Melde Dich einfach bei mitmachen@bildungsstreik-hd.de – wir freuen uns über jede noch so kleine Hilfe, Spende, was auch immer!

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