Hallo Reggy! Wie bist Du zum Bildungsstreik gekommen?
Mit dem Auto, mit Steffen.
Du hast also extra eine Anreise auf Dich genommen?
Ja, wir kommen aus Karlsruhe, da ist ja leider nichts los. Wir hätten dort auch gerne besetzt, aber der Bildungsstreik hat unsere Uni noch nicht erreicht.
Was reizt Dich an der Besetzung hier?
Der Freigeist.
War Dir der Bildungsstreik schon vorher ein Begriff? Wie hast Du von der Sache hier erfahren?
Naja, das war im Prinzip über die Geschichte in Wien, weil ich eigentlich ein Wiener bin. Und weil Steffen in den letzten Tagen für diese Sache so Feuer und Flamme war.
Was siehst Du an Parallelen zwischen Wien und Heidelberg?
Wien ist schon immer etwas anderes, auch vom eigenen Anspruch her. Vom Flair her. Das ist eine freileberische Stadt, geprägt von Künstlern. Bei der Idee sehe ich Parallelen, und auch von der Stadt her, mit der Altstadt. Hier hat es auch so ein altproletarisches Aufbruchsflair.
Warst Du in Deinem Studium mal im Ausland?
Na, im Studium nicht wirklich. Ich war ein Jahr in den USA auf der Highschool.
Wie hast Du die Unterschiede empfunden?
Ich fand es cool, dass du in den USA schon viel früher als hier deine Richtung aussuchen kannst, das habe ich hier vermisst.
Wie war das mit Prüfungen?
Die Prüfungen dort sind eher einfacher, hier ist schon viel mehr Druck dahinter. Bei uns wurde viel mit Multiple Choice-Tests geprüft, da hast du immer eine Chance, zu bestehen.
Findest Du Multiple Choice besser?
Da habe ich auch gerade drüber nachgedacht. Die vielen Möglichkeiten können auch verwirrend wirken. Ich sage es mal so: Wissen ist Macht, wir wissen nichts – macht nichts.
Eine Frage noch: Was ist für Dich freiheitliche, emanzipatorische Bildung?
Das hier ist schon ein Anfang. Im Extrem heißt es halt, jedem seine eigene Schule zu bauen. Auf jeden Fall sollten die zu Bildenden die Bildung mitbestimmen. Die Bildung verändert sich auch, man sollte sich da anpassen. Ich sehe kein Wissensvorrecht der Älteren: Ich habe viel mit Kindern gearbeitet und erlebt, dass junge Ideen zukunftsweisend sind. Klar sollte man auch auf die Alten hören, aber man darf nicht stehenbleiben.