Markus, was ist für Dich Freiheit?
Also generell ist Freiheit mal die Freiheit des Anderen – weil Freiheit da aufhört, wo die Freiheit des Anderen eingeschränkt wird. Positiv formuliert: Die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, ohne Einschränkungen von außen zu unterliegen.
Wo siehst Du den Bezug zwischen Bildungsstreik und Freiheit?
Der Bildungsstreik setzt sich dafür ein, dass es keine Einschränkungen gibt, sich zu bilden. Und das beinhaltet auch Mitbestimmung.
Siehst Du in der Entwicklung einen Trend?
Ich sehe in diesem Jahr einen Trend in den Köpfen, Freiheit und Mitbestimmung sind Begriffe, ob im Internet oder in der Bildung, an denen der soziale Wandel, der in bestimmten Generationen schon stattgefunden hat, ablesbar wird.
Bedeutet das auch eine Politisierung?
Das hieße, dass es vorher unpolitisch war. Das glaube ich nicht. Es hat eine Zeit gebraucht, bis sich der Begriff festgesetzt hat. Die Leute sind mutiger geworden, nicht politischer, indem sie jetzt dafür auf die Straße gehen.
Das finde ich ein interessantes Statement in Hinsicht auf den breiten, starken Protest, der Anfang der achtziger Jahre den Planungen zu den Erhebungen im Rahmen der Volkszählung entgegenschlug und schließlich in das Volkszählungsurteil mündete. Siehst Du da tatsächlich eine positive Entwicklung?
Ja, aber ich sehe auch gravierende Unterschiede. Heute gehen wir mit unseren Daten viel liberaler um, was auch daran liegt, dass wir uns im Informationszeitalter befinden. Natürlich ist angesichts der Vielzahl der Informationen, die anzugeben wir an vielen Stellen aufgefordert werden, die Sensibilität verwaschen, was ich durchaus kritisch sehe. Aber auf der anderen Seite nehme ich wahr, dass die jüngere Generation viel bewusster mit den eigenen Informationen umgeht, auch wenn sie mehr über sich preisgibt.
Hat das Informationszeitalter auch in die Bildung Einzug gehalten?
Da muss man zwischen Schulen und Hochschulen unterscheiden. An den Schulen sehen wir die Versuche, mehr Kompetenz zu lehren, in der Form, mehr Geräte anzuschaffen, um mehr Möglichkeite zu bieten. Damit ist es aber nicht getan, weil die Ausbildung der Lehrer dem nicht entspricht: Im Hinblick auf die Medienkompetenz klafft eine Lücke zwischen Schülern und Lehrern. Die Lehrer sind oftmals erstaunt, was sie von den Schülern lernen können, die mit der Technik aufwachsen, sie förmlich mit der Muttermilch einsaugen. An den Hochschulen besteht nicht mehr die Notwendigkeit, den Lernenden zu sagen, was sie zu tun und zu lassen haben, deswegen reicht da die Bereitstellung der Möglichkeiten. Außerdem wächst die Bereitschaft, sich auf neue Entwicklungen einzulassen, gerade bei jungen Professoren wird viel ausprobiert, beispielsweise Streaming von Vorlesungen. Als Student eines technischen Studienganges kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass es im Fall von Mängeln am Geld liegt, nicht an der Kompetenz.