Elisabeth – Erstsemester im Senkrechtstart

Elisabeth, was ist für Dich Demokratie?

Naja, das, was im Demokratischen Prinzip enthalten ist. Dass alle Macht vom Volk ausgeht und eine ununterbrochene Legitimationskette vom Volk zum Staat – also der Gesetzgebung – besteht.

Wow. Ist das Dein Fachbereich?

(lacht) – Es ist doch grundlegend, dass man sich informiert! Man muss sich bilden, um zu verstehen!

Ok – aber was heißt das für den Bildungsstreik konkret, wenn wir von demokratischer Bildung sprechen? Gibt es da ein Problem?

Natürlich! Es besteht eine gewaltige Differenz zwischen den Forderungen, die von der Masse gewünscht werden und dem, was konkret umgesetzt wird. Es fehlt an zwei Dingen: Der Kommunikation und dem Willen.

Siehst Du da auf Seiten der Politik Nachholbedarf?

Nein, nicht Nachholbedarf. Veränderungsbedarf! Wo die Probleme sind, ist eigentlich jedem klar.

Aber wenn wir uns die jüngsten Beschlüsse der Kultusministerkonferenz ansehen, die zwar Veränderungbedarf konstatieren, aber auf der anderen Seite die eigenen Möglichkeiten totschweigen und sich darin ergehen, andere aufzufordern, die Situation zu verbessern – da scheint es mit der Klarheit nicht weit her zu sein, oder?

Nein, das ist nicht überraschend. Ein anderer konkreter Fall: Die Rolle der Bildungspolitik im Wahlkampf und was davon im Endeffekt in den Koalitionsverträgen zu finden ist. Diese Divergenzen sind struktur- und systembedingt.

Im Fall der KMK wurde das Potenzial des Gremiums komplett verschwiegen. Denkst Du, der Bildungsstreik kann da auf eine Änderung hinwirken?

Was die Arbeitsweise der Politik angeht: Nein, dem steht die inhärente machtpolitische Interessenslage entgegen. Aber ich sehe die Möglichkeit, klare Forderungen zu formulieren und Rechtsmittel einzulegen, wo das möglich ist. Indem wir unsere Themen in die öffentliche Debatte einbringen, indem wir Petitionen verfassen und klarmachen, dass wir eine breite Front bilden können, sehe ich das Potenzial, durch den Bildungsstreik eine Verhältnismäßigkeit wieder herzustellen. Unser schärfstes Schwert ist aber, wo immer das möglich ist, die Einlegung von Rechtsmitteln.

Siehst Du den Bildungsstreik da auf einem guten Weg?

Es ist schwer, verallgemeinert von “dem Bildungsstreik” zu reden. Unter dem Dach des Bildungsstreiks versammeln sich so unterschiedliche Menschen, so vielschichtige Komponenten mit Schülern, Azubis, Studierenden, Dozenten, Professoren. Es gibt da kein alleiniges Konzept. Aber ich habe das Gefühl, im Moment sind wir noch in der Phase der Reaktion. Es braucht Zeit, sich einzufinden, den Übergang zu schaffen und zu agieren, nicht nur zu reagieren. Ich nehme wahr, dass wir uns dafür vorbereiten.

Wenden sich die Menschen wieder der Politik zu?

Das wäre wünschenswert, aber ich bin erst seit kurzem dabei, deswegen kann ich darüber nichts sagen.

Wie bist Du denn dazu gekommen, Dich im Bildungsstreik zu engagieren?

Generell halte ich es für sinnvoll, sich einzusetzen für die Belange der Gemeinschaft. Du kommst hier an, schaust dir die Prüfungsordnung an und siehst gleich, das ist nicht so toll, da ist mein Einsatz wichtig. Aber ich bin selbst überrascht, dass es so schnell ging: Ich bin Erstsemester, war in der letzten Woche in der Vollversammlung und hatte eigentlich erwartet, dass es nur um das Semesterticket geht. Die Bilder aus Wien zu sehen war sehr bewegend. Eine Kommilitonin hat mich dann einfach mitgenommen, als am nächsten Tag der Hörsaal in Heidelberg besetzt wurde.

Was hat Dich am meisten begeistert?

Zu sehen, dass hier ständig Bewegung herrscht. Von einem Tag auf den anderen tut sich hier so viel, es geht immer weiter. Dass hier soviel Energie drinsteckt, die so produktiv wirkt, das habe ich so noch nie erlebt, das ist extrem spannend und motivierend.

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