Istvan Farkas: Gedanken zu Foucault

Es geht nicht darum, immer recht zu haben (und ich entschuldige mich vorsichtshalber für alles hier Gesagte, mit dem ich Unrecht haben sollte). Lord Kelvin war einer der genialsten Thermodynamiker aller Zeiten – aber seine Thesen zur Geologie und Erdgeschichte lassen sich rückblickend nur mit “haarsträubender Schwachsinn” beschreiben. Es geht auch nicht darum, Höchstleistungen zu erzwingen. Die kommen, wie die Geschichte ungefähr jedes Nobelpreisträgers zeigt, aus sich selbst heraus. Nur, was sie auch zeigt: sie kommen dann um so häufiger und um so besser, je mehr Menschen eine Gelegenheit gegeben wird, ihre geistigen Fertigkeiten und Interessen bis zum Maximum auszureizen. Bildung zahlt sich aus – wenn man sie läßt.

Hören wir also endlich auf, uns unserer Bildung zu schämen! Hören wir endlich auf, uns für sie zu rechtfertigen, als sei sie eine unappetitliche Angewohnheit, oder – schlimmer noch – sie zu verleugnen und zu verleumden! Bekennen wir uns aktiv, in Wort und Tat, zu unserer Bildung, bejahen wir sie – in welcher Form und unter welchen Umständen sie auch immer daherkommt. Fordern wir dieses Grundrecht und Grundbedürfnis des Menschen endlich ein, in aller Konsequenz!

Aber von einem positiven Verhältnis zur Bildung ist Deutschland noch weit entfernt. Und es wird sich nicht ändern, wenn wir es nicht erzwingen, wenn wir nicht eine Renaissance des Wissen-wollens möglich machen, in diesem Land das dichter ist als man denkt. Bis dahin läßt sich nicht zu dem hinzufügen, was Petronius, der gescheiterte römische Stilberater, über das Bildungssystem zur Zeit Neros sagte:

Qui inter haec nutriuntur non magis sapere possunt, quam bene olere qui in culina habitant. [Sinngemäß: “Es ist mit einem solchen Bildungssystem eine Vermehrung der geistigen Fähigkeiten nicht besser möglich, als derjenige angenehm riechen kann, der in einer Frittenbude wohnt.”]

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