Istvan Farkas: Gedanken zu Foucault

Die Tagesschau meldete Anfang November:

Bundesbildungsministerin Annette Schavan rief die Bundesländer auf, die bereits verabredete Hochschulreform rasch umzusetzen. Sie sagte im Südwestrundfunk, bei der Umsetzung von Hochschulreformen gehe es um die Glaubwürdigkeit der Bildungspolitik. ‘Viele bildungspolitische Reden machen noch nicht gute Bildungs- und Wissenschaftspolitik’, sagte die Ministerin. Die Studierenden bräuchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen bei der neuen Studienstruktur geben werde.

Die im Sommer “verabredeten Korrekturen” sind immerhin ein Teilerfolg. Aber es ist zu fragen, ob es nicht zu wenig, zu spät ist. Ja, der Zugang zu einem Masterabschluß wird dann wohl verbessert. Aber wie steht der bundesdeutsche Krüppelmaster, in 8 statt bis zu bolognakonformen 12 Semestern eilends dahingeschustert, im Vergleich mit internationalen Standards denn da? Dagegen werden dann mitten im Binnenland “Leuchttürme” errichtet, “Cluster” die keiner so genau definieren kann, “Exzellenzinitiativen”, und welche Verbalintegumente da noch der Öffentlichkeit um die Ohren geschlagen werden daß es nur so schallt und raucht. Aber bringen tun sie nichts, Deutschland ist ein kleines homogenes Land mit rigiden Hürden beim Zugang zu höherer Bildung. Selbst Brasilien würde, wenn auch nur eine ähnlich restriktive Bildungspolitik gefahren würde, mit der Zeit die BRD überholen, weil es größer und diverser ist; das Beispiel China hat es gezeigt. Aber in den Schwellenländern wird nicht auf der Stelle getreten, es werden Fakten geschaffen, es werden Bildungssysteme qualitativ verbessert, geöffnet, zugänglicher gemacht. Ob Bildung als positive, modernisierende Kraft gesehen wird, oder ob ihr der Gestank des Subversiven anhaftet, ist eine politische Frage und Entscheidung.

Es geht bei den Bildungsprotesten um mehr als eine Reform der Reform des Wissensvermittlungsmaschinerie. Es geht um die Zukunft einer Gesellschaft. Und alles was an “Lösungen” aus diesem Dilemma vorgebracht wurde – seien es greencards oder “Kinder statt Inder” – hat sich sehr schnell als dilettantisches Stückwerk entlarvt. Mit einer schnellen billigen Lösung ist hier nichts zu verbessern; es wird Zeit und Geld kosten, und von beidem nicht wenig. Aber nichts zu tun – oder billige Flicken auf ein dysfunktionales System zu kleistern – wäre teurer.

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