…statt Jahresrückblick
Heidelberg, hier Heidelberg. Wir haben Weihnachten überlebt.
Das eigentliche Ziel, wie es hier im Wandkalender festgehalten war (“24. Dezember: Weihnachten verhindern”) , wurde, seien wir ehrlich, nicht erreicht. Es ist ein Gerücht, daß der Abbau des Weihnachtsmarktes, der bereits vor den Festtagen stattfand, eine Reaktion auf die kolportierten Aktionen war. Ebenfalls ganz entschieden zurückgewiesen werden muß die Behauptung, der dem Kommerz anheim gefallene Weihnachtsmann hätte seine Flugroute aus Angst vor den eruopäischen Bildungsprotesten geändert. Wir fordern Kolumbien auf, die geheimdienstlichen Erkenntnisse in vollem Umfang zu veröffentlichen. Notfalls muß Santa vor den Internationalen Gerichtshof.
Auch wenn uns angesichts der Räumungen in Wien und München schwer ums Herz wird, werden wir an dieser Stelle dem wiederkehrenden Trend namens Jahresrückblick keinen Vorschub leisten. Sondern schon vor dem Jahreswechsel unseren Vorsatz, der auf der Agenda für 2010 steht, nennen: Es muß klar werden, daß wir auf allen Ebenen für eine bessere Gesellschaft streiten. In der breiten Öffentlichkeit ist nicht angekommen, daß der Bildungsstreik nur ein Puzzleteil im europäischen, nein, weltweiten Bildungsprotest ist. Und daß der Bildungsstreik, der auch im Aktionsbündnis “Wir zahlen nicht für eure Krise” mitwirkt, auch gegen Mißstände, die unter dem vor einer Revision stehenden Trademark “Hartz IV” segeln, kämpft. Und das nicht erst, seitdem die Slogans in Bildungs- und Arbeitsmarkt sich einander annähern.
Zur Unterhaltung, wenn es hier schon keinen Jahresrückblick gibt, die im Moment im IPW kursierenden Gerüchte:
- Zum Jahreswechsel soll hier eine Jamsession stattfinden
- 2010 soll das Kulturprogram weitergeführt werden, angeblich gibt es schon Zusagen
- Streng geheim: Die Vöglein zwitschern, daß es Pläne für eine neue Besetzung gibt…
Mehr Unterhaltung? Die Zeit hat einen bemerkenswerten und äußerst lesenswerten Artikel unter dem Titel “Revolution der Tugend” veröffentlicht. Und wir haben in der Sektion Funkenflug den Neuzugang schandmaennchen.de mit “Alles wird gut!” und “… sed vitae…“. -Viel Spaß und gute Unterhaltung, hieß es früher mal…
Würzburg wurde am 29.12.09 geräumt.
- Bundesweite Demo “Die Uni gehört allen” – solidarisch für freie bildung und ein selbstbestimmtes leben.
die uni
gehört allen
Die Ausrichtung aller Lebensbereiche auf ihre Verwertbarkeit verschärft sich. Flankiert wird diese Entwicklung durch autoritäre Maßnahmen und die Kriminalisierung sozialer Widerstände. Stechuhren, Hartz IV, Ausbildungsplatzmangel, Exzellenzinitiativen, Selektion an Schulen und Hochschulen, Abschiebungen und „blue cards“ nur für „hochqualifizierte“ Migrant_innen, all das sind nur einige Kennzeichen einer ausgrenzenden Gesellschaft. Einer Gesellschaft, in der nicht die Menschen und ihre Bedürfnisse, sondern ihre Verwertbarkeit im Mittelpunkt steht.
Die Frankfurter Stiftungsuniversität kann hierfür als eine der Pioniere gelten. Studierende besetzten dort Ende November eines der Gebäude der Goethe-Uni, das regelmäßig an Konzerne vermietet wird. Sie wollten dort Raum und Zeit für eine kritische Auseinandersetzung schaffen. Am 02.12.2009 wurde dieser studentische Protest gewaltsam durch die Polizei beendet. Seitdem herrscht Ausnahmezustand an der Frankfurter Universität: Kritischen Studierenden drohen die Zwangsexmatrikulation und Strafverfahren, immer wieder patrouilliert Polizei auf dem Campus und der Universitätsbetrieb wurde mehrfach durch Aussperrungen lahm gelegt.
Auch in vielen anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommt es immer öfter zu sozialen Konflikten. Arbeiter_innen, Azubis, Schüler_innen, Studierende, von Abschiebung Bedrohte, Erwerbslose und andere gehen auf die Straße. Dabei verweisen all diese Proteste auf die Möglichkeit einer gemeinsame Forderung: Die gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich nach den Menschen zu richten, nicht nach Profitinteressen. Die Organisierung der Gesellschaft muss von den Menschen selbst bestimmt sein. Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir genau dies als gemeinsames Ziel formulieren und erkämpfen.
Statt den kürzenden, ausschließenden, überwachenden Staat um Hilfe anzurufen, müssen wir gemeinsam auf die Straße gehen und dafür kämpfen, dass die Schule unsere Schule, die Uni die Uni aller, die gesellschaftliche Produktion nach den Bedürfnissen aller – das Leben ein selbstbestimmtes Leben sein soll. Die Uni gehört Allen! Für freie Bildung und ein selbstbestimmtes Leben! Unser Leben in unsere Hände! Für die radikale Demokratisierung aller Lebensbereiche!
am 30.01.2010
in Frankfurt am Main
um 14 Uhr, Campus Bockenheim
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Links:
http://unigehoertallen.tk/
http://bildungsstreik-ffm.de/cms/
http://vimeo.com/8424498 (Mobilisierungsvideo)