Archiv für Dezember 2009
30. Dezember 2009
Heidelberg, hier Heidelberg. Wir haben Weihnachten überlebt.
Das eigentliche Ziel, wie es hier im Wandkalender festgehalten war (“24. Dezember: Weihnachten verhindern”) , wurde, seien wir ehrlich, nicht erreicht. Es ist ein Gerücht, daß der Abbau des Weihnachtsmarktes, der bereits vor den Festtagen stattfand, eine Reaktion auf die kolportierten Aktionen war. Ebenfalls ganz entschieden zurückgewiesen werden muß die Behauptung, der dem Kommerz anheim gefallene Weihnachtsmann hätte seine Flugroute aus Angst vor den eruopäischen Bildungsprotesten geändert. Wir fordern Kolumbien auf, die geheimdienstlichen Erkenntnisse in vollem Umfang zu veröffentlichen. Notfalls muß Santa vor den Internationalen Gerichtshof.
Auch wenn uns angesichts der Räumungen in Wien und München schwer ums Herz wird, werden wir an dieser Stelle dem wiederkehrenden Trend namens Jahresrückblick keinen Vorschub leisten. Sondern schon vor dem Jahreswechsel unseren Vorsatz, der auf der Agenda für 2010 steht, nennen: Es muß klar werden, daß wir auf allen Ebenen für eine bessere Gesellschaft streiten. In der breiten Öffentlichkeit ist nicht angekommen, daß der Bildungsstreik nur ein Puzzleteil im europäischen, nein, weltweiten Bildungsprotest ist. Und daß der Bildungsstreik, der auch im Aktionsbündnis “Wir zahlen nicht für eure Krise” mitwirkt, auch gegen Mißstände, die unter dem vor einer Revision stehenden Trademark “Hartz IV” segeln, kämpft. Und das nicht erst, seitdem die Slogans in Bildungs- und Arbeitsmarkt sich einander annähern.
Zur Unterhaltung, wenn es hier schon keinen Jahresrückblick gibt, die im Moment im IPW kursierenden Gerüchte:
- Zum Jahreswechsel soll hier eine Jamsession stattfinden
- 2010 soll das Kulturprogram weitergeführt werden, angeblich gibt es schon Zusagen
- Streng geheim: Die Vöglein zwitschern, daß es Pläne für eine neue Besetzung gibt…
Mehr Unterhaltung? Die Zeit hat einen bemerkenswerten und äußerst lesenswerten Artikel unter dem Titel “Revolution der Tugend” veröffentlicht. Und wir haben in der Sektion Funkenflug den Neuzugang schandmaennchen.de mit “Alles wird gut!” und “… sed vitae…“. -Viel Spaß und gute Unterhaltung, hieß es früher mal…
18. Dezember 2009
Am 17.12. 2009 informierten das Rektorat und Mitglieder der Haushaltsabteilung der PH Heidelberg in einer öffentlichen Vollversammlung die Mitglieder der Hochschule über die Ursachen der finanziellen Krise der PH. In diesem Zuge wurde die Haushaltslage der vergangenen und der kommenden Semester offen gelegt. Damit kommt das neue Rektorat einer der zentralen Forderungen aller Gruppen der Hochschule, insbesondere der Studierendenschaft, Transparenz über die Finanzlage der PH herzustellen, nach.
Die Zahlen sind eindeutig, sie zeigen: die Pädagogische Hochschule Heidelberg befindet sich weiterhin in einer sehr prekären finanziellen Lage! Trotz bereits erfolgter Sparmaßnahmen im Wintersemester 2009/2010, wird sich das Lehrangebot im Sommersemester drastisch verschlechtern. Das Lehrangebot wird laut Dekan Schallies sogar geringer ausfallen als im Wintersemester 2006, als es noch keine Studiengebühren gab. Bezüglich der Ursachen der „PH-Finanzkrise“ wurde in der Vollversammlung deutlich, dass diese nicht nur im alten Rektorat zu suchen sind. Es wurde klar gesagt, dass es in der ganzen PH massive Kommunikationsschwierigkeiten gab. Mittel wurden auf Grund fehlender Abstimmung mehrfach vergeben. Es gab keinerlei Kontrollinstanzen zu finanziellen Angelegenheiten. Die fehlerhaften institutionellen Strukturen möchte das neue Rektorat in Zukunft verbessern.
Die Studierenden mussten erkennen, dass sie noch einige Jahre unter der katastrophalen Haushaltslage der Pädagogischen Hochschule leiden werden müssen, da von Seiten des Landes bisher keinerlei finanzielle Unterstützung zu erwarten ist.
Es ist über deutlich, dass die Ursachen auch und vor allem bei den politischen Entscheidungsträgern in Stuttgart zu suchen sind! Grundsätzlich wurde aus den aufgelisteten Zahlen ersichtlich, dass die Pädagogische Hochschule Heidelberg unter der generellen Unterfinanzierung der Hochschulen leidet und die Studiengebühren von vornherein nur dazu eingeplant wurden, die Grundlehre zu sichern. Aktuell kam die Problematik der Geschwisterregelung hinzu: an die Hochschulen meldete das Ministerium, die Studiengebühren würden konstant bleiben; dabei wurde bereits ein Gesetz geplant, durch welches über 30% der Studierenden von Studiengebühren befreit wurden. Für dadurch entstehende Lücken in der Finanzierung müssen die Hochschulen ersatzlos aufkommen.
Während in Hessen die Studiengebühren abgeschafft wurden und die Landesregierung für den Ausgleich in der Finanzierung aufkommt, sind wir sehr enttäuscht, dass die Baden-Württembergische Landesregierung keine Verantwortung für die Gegenfinanzierung ihrer mangelhaft konzipierten Geschwisterregelung übernimmt.
Wir fordern die Baden-Württembergische Landesregierung dazu auf, die Finanzierung der Pädagogischen Hochschule sicher zu stellen und ihre Verantwortung gegenüber den Studierenden wahrzunehmen und die Einnahmeeinbußen auszugleichen.
Die Ausbildung von Lehrkräften ist die Grundlage für das Bildungssystem der nächsten Jahre. Einsparungen in der Lehrerausbildung haben weitreichende Folgen für viele kommende Generationen und den Bildungsstandard des Landes.
15. Dezember 2009
Am Mittwoch vormittag wird ein uns vom Rektorat zur Verfügung gestellter Raum besichtigt (Treffpunkt 10.30h Brunnen am Heumarkt für alle, die den Raum anschauen wollen).
Mittwoch nachmittag findet ein Plenum um 16.30h im Freiraum 018 statt. Dort wollen wir unter anderem über das neue Raumangebot des Rektorats diskutieren.
Zahlreiches Erscheinen zu beiden Terminen ist willkommen!
11. Dezember 2009
Heidelberg wurde in den letzten Wochen immer mehr zu einem Ort der kritischen Auseinandersetzung in Anbetracht der gegenwärtigen Bildungssituation. Auch wenn der Massenzulauf in diesen kalten Monaten nicht so hoch ausfiel wie im Juni, konnte doch einiges an politischem Bewusstsein geschaffen werden. Durch die vielen Besetzungen auf bundesweiter Ebene (Heidelberg hat 3 1/2 Wochen die Neue Uni besetzt), durch diverse Demonstrationen, unter anderem in Heidelberg, Stuttgart und Bonn, wurde das mediale und öffentliches Interesse wieder auf das Thema Bildung gelenkt. Die letzte Bildungsstreik Aktionswoche und letztlich auch der neue Freiraum, haben zumindest eine gewisse Kontinuität von politischer Außeinandersetzung und Arbeit etabliert.
Alles das, sind definitiv Erfolge, doch durch das Überschlagen der Ereignisse haben wir es seit einiger Zeit nicht mehr geschafft uns strukturiert zu treffen. Dabei wäre es dringend notwendig. Nun sollte ein Résumé aus der Bildungsstreik Woche gezogen, die ganzen vergangenen Wochen reflektiert und überlegt werden wie die nächsten Schritte aussehen sollen. Zudem sollte alles das, was vor den winterlichen Feiertagen noch getan und besprochen werden kann, gemacht werden. All diese Punkte werden am Montag in Heidelberg auf dem Bildungsstreik Bündnistreffen behandelt. Dies ist der letzte Montag in diesem Jahr an dem wir eine größere Anzahl von Menschen erreichen können.
Deswegen ist jede/r Einzelne herzlich zum Bildungsstreik Treffen am kommenden Montag (14.12.09), 18.30 Uhr, im ZFB (Zentrales Fachschaftsbüro*) eingeladen!
Wenn ihr schon Themenvorschläge habt, die ihr gerne zur Diskussion stellen würdet, schickt sie an diskussionsthemen@bildungsstreik-hd.de.
nochmal übersichtlich:
Bildungsstreik Bündnistreffen
Montag, 14.12.09 – 18.30 Uhr
*Zentrales Fachschaftsbüro (Albert- Überle-Straße 3-5, Heidelberg)
10. Dezember 2009
Im Rahmen der Kultusministerkonferenz, die heute in Bonn tagt, wurde vom Bildungsstreikbündnis bundesweit zur Demonstration rund um den Tagungsort aufgerufen. Gleichzeitig wurde auch von Gewerkschaftsseite zur Demonstration aufgerufen und auch der DHV (Deutsche Hochschulverband) hat seine Mitglieder dazu aufgerufen ihre Studierenden in ihren Anliegen zu unterstützen und dafür Lehrveranstaltungen zu verlegen.
Die TeilnehmerInnen – je nach Quelle zwischen 5.000 und 10.000 Menschen – reisten mit Bahnen, Bussen und sgar mit einem Boot aus Mainz an. Die Demonstration, die am Mittag in Godesberg starte, zog zum Tagungsort in der Bonner Innenstadt, wo mehrere strategische Kreuzungen blockiert wurden, um das im Motto erklärte Ziel “Kultusminister nachsitzen” zu erreichen.
Die Polizei agierte stellenweise äußerst brutal und ging ohne erkennbare Gründe mit Brutalität gegen friedliche Demonstrierende vor. In einer Pressemitteilung der Bonner Polizei ist im Gegensatz zu uns vorliegenden Augenzeugenberichten davon die Rede, daß der Einsatz von Beamten behindert wurde – womit offensichtlich eine Erklärung für den massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken geliefert werden soll.
Wir haben per Telefon Interviews mit AktivistInnen geführt, um einen Eindruck von der Stimmung und den Ereignissen vor Ort zu bekommen:
Interview 1
Interview 2
8. Dezember 2009
Am Donnerstag, 10.12., findet in Bonn ein Treffen der KultusministerInnen statt. In diesem Kreis wird über genau die Themen beraten und entschieden, für die sich das Bildungsstreik-Bündnis einsetzt. Die Bündnisforderungen und Interessen werden bis jetzt von den KultusministerInnen in ihren Treffen und Entscheidungen nicht beachtet.
Deshalb rufen auch wir dazu auf, die MinisterInnen nachsitzen zu lassen und sie auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen!
Kommt zur Demo in Bonn am 10.12.!
Es fährt ein Boot von Mainz nach Bonn.
Es gibt 600 Plätze an Bord. Es wird ein kleines Rahmenprogramm mit Workshops, Musik und der Band Doktorjewski geben.
Hinfahrt: Mittwoch, 9. Dezember, Abfahrt Mainz um 22 Uhr; Ankunft Bonn: Donnerstag, ca. 7.30 Uhr
Rückfahrt: Donnerstag, 10. Dezember, Abfahrt Bonn um 20.30 Uhr; Ankunft Mainz: Freitag, ca. 10 Uhr
Zur verbindlichen Anmeldung bitte Name, Wohnort oder ggf. Hochschule (beides für Pressearbeit und interne Erhebung) an die Mailadresse Bildungsboot@maldes.de schicken. Um die Fahrt zu finanzieren gibt es eine Eigenbeteiligung von 5€ pro Person.
Alle angemeldeten Personen bekommen am Dienstag Abend eine Mail mit weiteren Informationen.
Das Heidelberger Bildungsstreikbündnis trifft sich um 18.15 vor der Infotafel am Hauptbahnhof in der Eingangshalle, um mit dem Baden-Württemberg-Ticket gemeinsam nach Mainz zu fahren.
Ausführliche Infos des KMK-Bündnisses findet ihr hier
6. Dezember 2009
Nach der Bildungsstreikwoche bleibt die Pädagogische Hochschule Heidelberg weiterhin besetzt. Die Studierenden wollen die inhaltliche Arbeit, die letzte Woche begonnen wurde, weiterführen und haben auch ein Programm für die nächste Woche.
5. Dezember 2009
Nun ist der Funke des Protestes auch nach Griechenland übergeschwappt. In den letzten Tagen sind dort ca. 30 Unis und 400 Schulen besetzt worden.
Indymedia
libcom.org
4. Dezember 2009
Auch in Riga und Vilnius beteiligen sich tausende Studierende an Demonstrationen gegen Kürzungen im Bildungsbereich!
Das Feuer breitet sich also weiter aus!
Hier sind zwei Youtubevideos von den Demos:
3. Dezember 2009
Vor wenigen Stunden wurden die BesetzerInnen der Universität Frankfurt mit massiver Polizeigewalt geräumt. Gegen sie wurde Strafanzeige gestellt. Wir verurteilen diese Maßnahme und solidarisieren uns mit den BesetzerInnen in Frankfurt.